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33 Solarpaneele für eine ununterbrochene Stromversorgung im Hôpital des Sœurs in Yaoundé

Solarpaneele für eine gute Gesundheitsversorgung
Es ist 10 Uhr, als das TABESI Team am Hôpital des Sœurs de Simbock (dt: Schwesternkrankenhaus von Simbock), einem Viertel im Süden der Stadt Jaunde, ankommt. Es tummeln sich bereits zahlreiche Menschen am Eingang des Krankenhauses und das Personal kümmert sich um die ersten Patienten. Alle übrigen Leute warten noch auf einen Arzt. Keiner wartet auf einen Experten für Solarenergie. Dieser kommt aber prompt um die Ecke: Stéphane Tandoum Tchoupe, ein Mann in neon-oranger Jacke, Helm und mit einem riesigen Rucksack auf dem Rücken. Er ist Chef von Eureka Energie, einem Start-up Unternehmen, das auf Solarenergie spezialisiert ist und für die Wartung der Solaranlage auf dem Dach des Hôpital des Sœurs zuständig ist.
Das katholische Gesundheitszentrum “Notre Dame du Rosaire”, das allgemein als ” Hôpital des Sœurs de Simbock ” bekannt ist, wurde 2008 gegründet. Zunächst handelte es sich nur um ein kleines Gesundheitszentrum, doch die Patienten kamen von überall her und so entwickelte es sich schnell weiter in ein größeres Krankenhaus. Das Hôpital des Sœurs de Simbock genießt einen sehr guten Ruf, nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen, aber nicht einfachen Betreuung einer schwangeren Frau mit Vierlingen. Die Einrichtung empfängt Tausende von Patienten aller Art, da sie über ein breites Angebot an Dienstleistungen wie Chirurgie, Gynäkologie, Kinesiologie-Therapie, Zahnbehandlung, Radiologie und ein Labor verfügt.
Ein solches Krankenhaus benötigt sowohl menschliche als auch energetische Ressourcen, um rund um die Uhr zu funktionieren. Unabhängig von der technischen Ausstattung mit hochwertigen Geräten und dem freundlichen und dynamischen Personal ist das Zentrum jedoch zahlreichen Unwägbarkeiten ausgesetzt, wie beispielsweise Stromausfällen im öffentlichen Netz. Angesichts der steigenden Nachfrage und des Problems, alle Abteilungen in Betrieb zu halten, hat sich das Hôpital des Sœurs für eine Solaranlage entschieden, um das Hauptgebäude mit Strom zu versorgen. Hier befinden sich die Laboratorien für Untersuchungen, der OP-Block, die Verwaltung und die pharmazeutische Abteilung. Die Anlage wird die Unterbrechung von Analysen, Untersuchungen und sogar chirurgischen Eingriffen minimieren und damit Leben retten. Ein hochtechnisches Solarsystem, das durch die Intensität des Sonnenlichts (ultraviolette Strahlung) elektrische Energie erzeugt, die von der Einrichtung verbraucht werden kann, ist ein Pluspunkt für das Zentrum. Neben dem öffentlichen Stromnetz, speichert die Anlage auch Energie in Akkumulatoren, sogenannten Lithiumbatterien, die im Falle eines technischen Versagens einspringen.
Tchoupe geht durch den Warteraum des Hôpital des Sœurs de Simbock, vorbei an zahlreichen Menschen und quengelnden Kindern, zum Technikraum. Alle schauen ihn mit großen Augen an. Tchoupe ist mit seiner farbenfrohen Jacke nicht gerade unauffällig. Auch wenn er die Solaranlage installiert und wartet, sind es schließlich die Patienten und das Krankenhauspersonal, denen die Anlage zu Gute kommt. Dabei weiß wahrscheinlich kaum jemand, dass Teile des Stroms im Krankenhaus mit Solarenergie erzeugt werden. Wenn man vor dem Krankenhaus steht oder im Wartezimmer wartet, sieht man schließlich nicht, was auf dem Dach passiert.
„Zutritt nur für berechtigtes Personal“ steht groß auf der Tür des Technikraums. Tchoupe und sein Team sind berechtigt. Die Patienten um ihn herum allerdings nicht. Sie wissen nicht, welche Wichtigkeit der Raum für die Stromversorgung des Krankenhauses hat. Wenn die Tür offen stehen bleibt, versuchen sie in den Raum zu schauen, um zu sehen, was sich darin abspielt. Der Raum ist klein und stickig. Wenn man ganz still ist, hört man das leise Surren der Solaranlage, genauer der Wechselrichter und der Batterien. „Hierbei handelt es sich um eine hybride Solaranlage“, erklärt Tchoupe, „das bedeutet, dass neben der Solarenergie auch noch eine andere Energiequelle zur Stromerzeugung verwendet wird. In diesem Fall ist es das öffentliche Stromnetzwerk ENEO.“ Die Anlage im Hôpital de Sœurs besteht aus insgesamt 33 Solarpanels auf dem Dach, die über ein Wirrwarr aus blauen, schwarzen und roten Kabeln mit dem Laderegler verbunden sind. Dieser hat einen Überspannungsschutz und ist wiederum an den Wechselrichter angeschlossen. Bei dem Strom, den die Solarpanels produzieren, handelt es sich um Gleichstrom, der in Wechselstrom umgewandelt werden muss, damit er an die Steckdosen weitergeleitet werden kann. Dafür ist der Wechselrichter zuständig. Die Anlage im Hôpital de Sœurs hat zwei Wechselrichter, wobei nur einer von ihnen zurzeit in Betrieb ist. Der überschüssig produzierte Strom wird in zwei Batterien gespeichert. Hier in diesem kleinen Raum befindet sich die gesamte Technik, die nötig ist, um das Krankenhaus mit hilfe von Sonnenenergie mit Strom zu versorgen. Für die Patienten ist es dabei unwichtig, wie genau die Technik funktioniert. Was zählt ist, dass der Strom aus der Steckdose kommt.
Das Wichtigste fehlt allerdings noch: Die Solarpanels. Mit Sicherheitsjacken und -Helmen ausgestattet, geht es nach draußen vor dem Eingang des Krankenhauses. Hier steht bereits eine Leiter bereit. Tchoupe klettert zuerst auf das Dach. Beim Aufstieg wackelt und vibriert die Leiter bei jedem Schritt. Wenn sie niemand von unten festhalten würde, könnte sie jeden Moment umfallen oder vom Dach wegrutschen. Oben angekommen, hockt Tchoupe bereits unterhalb der Solarpanels und bietet seine Hand zur Hilfe an. Die Oberfläche des Daches ist dreckig, überall liegt Sand. Dennoch ist es weniger rutschig als gedacht und man hat einen relativ guten Halt. Hier hat sich noch nie ein Patient verirrt. Einer nach dem anderen geht zur Spitze des Dachs und hinterlässt dabei Fußabdrücke auf dem Dach. Schon bald sind sowohl die Hände als auch die Kleidung dreckig. Ganz oben auf dem Dach weht ein leichter Wind und man hat einen schönen Ausblick über die umliegenden Häuser.
 
Kurzerhand löst Tchoupe die zwei Befestigungen an einer Seite eines Solarpanels, sodass dessen Unterseite sichtbar wird. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht: Es hat eine glatte, silberne Oberfläche, aus der zwei Kabel raushängen. Kurzerhand werden die Kabel unter der gesamten Reihe der Solarpanels hervorgezogen und überprüft, ob alle Kabel miteinander verbunden sind. „Es gibt mehrere Arten von Solarpanelen: Monocristallin, Polycristalling und amorphe“, sagt Tchoupe, „Auf dem Dach des Hôpital de Sœurs liegen Polycristalline Solarpanels.“ Nachdem alle Kabel wieder unter die Solarpanels geschoben wurden, geht es an den Abstieg. Dieser ist angsteinflößender als der Aufstieg. Vorsichtig rutschen alle das Dach hinunter bis an die Kante, wo die Leiter steht. Beim Heruntersteigen wirkt es, als würde die Leiter noch mehr wackeln. Anschließend geht es wieder vorbei an allen Menschen im Warteraum zum Technikraum. Auch wenn nicht der gesamte Strom im Krankenhaus durch Solarenergie erzeugt wird, so nimmt der Solarstrom doch eine wichtige Rolle ein. Das öffentliche Stromnetz ist nicht zuverlässig und es kann immer wieder zu Stromausfällen kommen. Vor allem in Regionen mit schlechter Stromversorgung kann Solarenergie Abhilfe schaffen.

 

 

 

Julia Mayer für TabesiMag

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